Mehr als 18.000 Schlaganfälle ereignen sich jedes Jahr allein in Schleswig-Holstein und Hamburg. 18.000 Mal ändert sich dabei das Leben einer ganzen Familie von einem Moment auf den anderen. Sowohl Patienten als auch Angehörige sind plötzlich mit einer Situation konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet waren. Dinge, die vor dem Schlaganfall selbstverständlich waren, sind unter Umständen nun mit großen Schwierigkeiten verbunden. Sprachstörungen, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Aggressivität und Depression sind nur einige von sehr vielen möglichen Folgen. Von dieser Situation ist das gesamte Umfeld mitbetroffen. Vor allem für den Patienten erschwert sich dadurch die Teilhabe am sozialen Leben.

Spätestens nach der Entlassung aus der Klinik sind viele Familien überfordert. Es herrscht ein großer Bedarf an zuverlässigen Informationen und Zuwendung. Mit ihren vielen Fragen wenden sich die Betroffenen häufig als erstes an ihren Hausarzt oder die Therapeuten. Doch was passiert, wenn die Ansprechpartner weder über die entsprechende Zeit noch über die richtigen Informationen verfügen, um die Ratsuchenden angemessen zu beraten? Für genau diesen Fall gibt es die Schlaganfall-Mentoren und Schlaganfall-Helfer. Dies sind Personen, die eigens vom Schlaganfall-Ring dazu ausgebildet werden, Betroffene in persönlichen Gesprächen, Hausbesuchen oder am Telefon zu beraten und ihnen ihre Fragen zu beantworten – unabhängig davon, ob sich der Patient oder ein Angehöriger meldet, ob der Schlaganfall erst kürzlich passiert ist oder bereits Jahre zurückliegt. Jeder, der die Unterstützung eines Schlaganfall-Helfers oder Schlaganfall-Mentoren in Anspruch nehmen möchte, kann dies tun.

Ziel ist es, das Konzept zukünftig so weit auszubauen, dass in Schleswig-Holstein und dem Raum Hamburg flächendeckend Schlaganfall-Helfer und -Mentoren aktiv sind, die vor Ort beraten.

Wie unterscheiden sich Schlaganfall-Helfer von Schlaganfall-Mentoren?

Der Hauptunterschied liegt in der der eigenen Erfahrung: Schlaganfall-Mentoren sind Ehrenamtliche des Schlaganfall-Ring, die selbst von der Erkrankung betroffen sind – entweder direkt als Patienten oder indirekt als Angehörige. Gerade diese Erfahrung ist es, die bei den Ratsuchenden für eine große Glaubwürdigkeit sorgt. Denn niemand kann so gut verstehen, was es bedeutet, einen Schlaganfall zu erleiden, wie jemand, der dies ebenfalls erlebt hat. So sind die Schlaganfall-Mentoren vor allem in regionalen Sprechstunden (z.B. in Kiel und Mölln) oder bei Hausbesuchen aktiv.

Schlaganfall-Helfer hingegen kommen eher in medizinischen Heil- oder Hilfsberufen zum Einsatz. Sie durchlaufen dieselbe Ausbildung wie die Mentoren, haben jedoch einen hauptamtlichen Hintergrund in Arzt- oder Therapiepraxen, Sozialdiensten von Kliniken, in der Pflege oder dergleichen. Eine eigene Betroffenheit wird nicht vorausgesetzt. Die Idee ist, dass ausgebildete Schlaganfall-Helfer, z.B. in Arztpraxen, den Arzt entlasten, wenn sich Betroffene an diesen mit ihren Fragen wenden. Der Arzt kann guten Gewissens eine ausgebildete Schlaganfall-Helferin mit dieser Aufgabe betrauen, für die er selbst die Zeit nicht aufbringen kann. Der Betroffene erhält die Informationen, die er braucht, um seine Situation zu klären oder weitere Schritte zu planen.