Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in der Bundesrepublik und der häufigste Grund für erworbene Behinderungen. Wird ein Schlaganfall schnell erkannt und zeitnah behandelt, steigen die Genesungsaussichten für den Patienten erheblich. Noch vor einigen Jahren waren die Prognosen für Schlaganfall-Betroffene weitaus schlechter. Überlebende waren häufig ihr Leben lang pflegebedürftig. Eine wirksame Therapie gab es nicht. Erst seit der Einführung der Schlaganfall-Stationen, der sog. Stroke Units, in den Kliniken hat sich eine ganz entscheidende Erkenntnis durchgesetzt: Time is brain.

Schlaganfall – Ein Notfall

Bei Verdacht auf Schlaganfall: Sofort 112 wählen

Daher der wichtigste Appell gleich zu Beginn: Besteht ein Verdacht auf Schlaganfall in Ihrer Umgebung, handeln Sie sofort und ohne zu zögern. In diesem Fall zählt jede Minute – ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Alarmieren Sie den Rettungsdienst unter 112 und folgen Sie den Anweisungen des Disponenten der Leitstelle. Bleiben Sie beim Patienten und bewahren Sie Ruhe. Geben Sie dem Patienten weder zu essen noch zu trinken – es könnte eine Schluckstörung vorliegen, die Erstickungsgefahr ist zu groß. Sorgen Sie für einen ungehinderten Zugang zum Haus oder der Wohnung. Damit ersparen Sie dem Rettungsteam wertvolle Zeit, der Patient kann schneller in eine geeignete Klinik gebracht werden.

Einen Schlaganfall erkennen: Der FAST-Test

Der Schlaganfall ist eine neurologische Erkrankung mit Ausfällen des Zentralen Nervensystems, daher kann er vom Auftreten mehrerer unterschiedlicher, neurologischer Symptome begleitet werden. Ein einfacher Schnelltest, den jeder bereits an Ort und Stelle durchführen kann, ist der sog. FAST-Test. Die Anfangsbuchstaben des Wortes FAST (englisch für „schnell“) beschreiben…

  • F – Face (Gesicht): Bitten Sie den Patienten zu lächeln. Ist das Gesicht asymmetrisch, erscheint eine Gesichtshälfte verzogen? Hier könnte eine Halbseitenlähmung vorliegen.
  • A – Arms (Arme): Bitten Sie den Patienten, beide Arme zu heben und die Handinnenflächen nach oben zu drehen. Bei Lähmungserscheinungen wird ein Arm abfallen oder sich verdrehen.
  • S – Speech (Sprache): Sprechen Sie dem Patienten einen einfachen Satz vor, den er wiederholen soll. Gelingt ihm das nicht oder klingt die Sprache verwaschen, kann eine Sprachstörung vorliegen.
  • T – Telefon: Zögern Sie nicht – haben Sie auch nur eines der Symptome festgestellt, wählen Sie unverzüglich 112 und nennen Sie den Verdacht auf Schlaganfall. Ab jetzt zählt jede Minute.

Was ist ein Schlaganfall?

Schlaganfall wird die Folge einer akut auftretenden Durchblutungsstörung des Gehirns genannt. Ursache für einen Schlaganfall kann etwa eine Minderdurchblutung des Hirngewebes sein, ausgelöst durch einen Thrombus oder eine Embolie. In diesem Fall handelt es sich um einen Hirninfarkt. Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt verschließt ein Gerinnsel ein Blutgefäß und führt zu einer Unterversorgung des betroffenen Areals. Mit ungefähr 80% ist die Durchblutungsverminderung die häufigste Ursache für einen Schlaganfall. Die restlichen 20% entstehen durch eine Gehirnblutung, bei der ein Gefäß einreißt und in das umliegende Gewebe blutet.

Schlaganfall-Folgen

Je nach Art und Schwere des Ereignisses sowie der verstrichenen Zeit bis zum Einsetzen der Behandlung kann die Skala der Schlaganfall-Folgen von völliger Beschwerdefreiheit bis zur Schwerbehinderung mit lebenslanger Pflegebedürftigkeit reichen. Einschränkungen der körperlichen Funktionen, wozu etwa Lähmung, Sensibilitätsstörungen, Sprach- und Sprechstörungen (Aphasie), Hirnleistungsminderung und psychische Veränderungen zählen, sind typische Folgen der Erkrankung. Dadurch werden häufig Aktivitäten des täglichen Lebens erschwert, wie das Steigen von Treppen oder eine ungehinderte Kommunikation. Viele Schlaganfall-Patienten empfinden dies als Einschränkung an der Teilhabe am sozialen Leben; es fällt ihnen schwer, sich im Alltag oder in beruflichen Lebensbereichen zurechtzufinden. Das kann bei Betroffenen zu sozialer Isolation und Depression, der sog. Post-Stroke-Depression, führen. Diese bleibt häufig unbemerkt und wird oft nicht behandelt. Die Familie sollte deshalb aufmerksam auf Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Aggressivität oder ständige Ermüdung des Patienten achten. In diesem Fall lohnt sich der Besuch beim Neurologen. Depressionen nach Schlaganfall treten häufig auf und sind durchaus behandelbar.